Werkschau – Projekt „forum baucultur im skygarden“

Weite und Mobilität mitten in der dicht bebauten Großstadt. Nur an wenigen Orten ist dies in München so spürbar wie an der Hackerbrücke über dem gewaltigen Gleiskörper. Blick und Gefühl schweifen in die Ferne, und doch steht man inmitten eines der vitalsten Wirtschaftszentren Europas. Dieser Ort und die ebenso klare wie für München außergewöhnliche Architektur des von den Hamburger Architekten „Bothe Richter Teherani“ entworfenen SKYGARDEN waren Inspiration für einen Platz, an dem sich gute Kräfte bündeln. Hier kommen die Dinge zusammen, von hier geht etwas aus. Ein idealer Ort für einen Netz- werkraum rund um das Bauen, für eine Gruppe von Partnern, die angestammte Pfade verlassen und neue Wege erkunden wollen. Und ein ideales Projekt, um gemeinsam einen außergewöhnlichen Raum für besondere Begegnungen zu schaffen.

fbc_werkchau_skizze01Der Dank gilt an dieser Stelle zunächst dem Eigentümer CA Immo, welcher uns beim Mieterausbau in Planung und Ausführung völlig freie Hand ließ. Ganz auf das Baugefühl vertraut haben wir bei der Auswahl des Innenarchitekten. Nicht umsonst fiel die Wahl auf Andreas Riker, einen Landschaftsarchitekten und Designer. Es ging darum, die außergewöhnliche Lage, die beeindruckenden Perspektiven in einen Raum zu holen, mit dem Raum und der nach innen wirkenden Architektur zu verbinden, um schließlich dennoch zu einer ganz eigenständigen, ebenso modernen wie warmen Form des Ausdrucks zu kommen.

„Klare Architektur organisch durchflutet“,

so das treffende Leitmotiv der Planung von Andreas Riker. Dies spiegelt sich in mehreren Grundentscheidungen wieder. Transparenz durch den gesamten Raum, um die Außenbezüge und die Wirkung der klaren Fassadenstruktur zu erhalten. Erdung des dominanten Außenlichts durch dunklen Lino. Organische Raum und Möbelformen als eigenständige Binnenlandschaft. Schnell war auch klar, dass der Lichtinszenierung dabei eine entscheidende Rolle zukommen würde. Hier hatten wir mit Werner Memmel den idealen Partner an Bord, der mit Hingabe ein solitäres Lichtkonzept entwarf.

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Logo Entwicklung

Parallel zu dieser Suche nach der richtigen Form, welche sicherlich befruchtet wurde von den Idealen eines Frank Lloyd-Wright, ging es darum, einen guten Namen für das Projekt und ein Corporate Design zu finden. Der Begriff „Forum“ als Synonym für eine Netzwerkplattform war durch das Basisprojekt „Forum für Kompetenz und Partnerschaft“ bereits erprobt. Ziel war nun eine neue Form der ganzheitlichen Zusammenarbeit von Bauakteuren sowie eine Abwicklung von Projekten auf der Basis von Werten. Eine neue Kultur der Partnerschaft. Da lag „Baucultur“ nahe, um den neuen Ansatz sichtbar zu machen geschrieben mit einem c. Um sich des Weiteren vom oft großspurigen Antritt der Branche abzusetzen, bewusst alles kleingeschrieben. Nachdem Ort und Architektur einen Teil der Identität ausmachen sollten, lag das Suffix „im skygarden“ nahe. So entstand „forum baucultur im skygarden“ als Projektname und Wortmarke.

Beim Corporate Design haben wir uns zunächst ganz von der Farbwelt der Architektur leiten lassen. Weiß, anthrazitgrau und orange. Wenn man nun in Deutschland nach einer Tradition fahndet, welche das Bauen mit neuen Wegen, ganzheitlichem Denken und einer Idee von Modernität verbunden hat, landet man ganz unweigerlich beim zeitlosen Bauhaus. Deshalb wählten wir ebenso intuitiv wie bewusst eine nicht ganz so bekannte Bauhaus-Schrift von Bayer für unser Wortlogo forum baucultur und stellten ihr mit der Schrift DIN eine unaufdringliche, aber dennoch sehr kraftvolle und graphische Schwester an die Seite.

fbc_werkschau_floorplan01Wir haben uns zum Planen dann lange Zeit genommen, manches wieder verworfen, modifiziert, der wachsenden Vorstellung von der Nutzung des Raumes angenähert. Es entstanden organische Formen im Deckenkoffer, einem Raumteiler und in eigens entworfenen Möbeln. Eine Lüftung, die man nicht sieht und hört, aber spürt. Es wurden viele Glaswände und flexible Wandsysteme geplant. In einem großen transparenten Raum großzügige Besprechungs- und Veranstaltungsbereiche, ein Empfangs-, Bar- und Loungebereich sowie ein Werkraumbereich und schließlich Einzelbüros aneinander gegliedert. Steelcase versorgte uns mit Ideen für eine ebenso moderne wie warme Möblierung. Martin Riker steuerte ein Farbkonzept bei, welches einem dunkelgrauen Boden und weißen Möbeln einige Farbtupfer in orange, bordeaux und lindgrün als Auflageteppiche und Möbelsitzkissen gegenüberstellte.

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FBC – Farbpalette

Schließlich ging es an die Realisierung im Kreise der Partner, bei welcher sich dann eindrucksvoll zeigte, dass die wahre Kunst eben doch nahezu immer in der liebevollen Umsetzung im Detail liegt. Und dass die Werte vor Ort immer noch durch den einfachen Arbeiter von Hand geschaffen werden. Bilfinger R&M Ausbau München vollbrachte ein Meisterwerk in Sachen Trockenbau und setzte zusammen mit Lufttechnik Rudolph das innovative Lüftungskonzept von Wolfgang Viel um. Böhmler im Tal zeigte, wie man mit hochwertigem Lino in der Fläche richtig umgeht und großflächige Freiformteppiche fertigt. Die Schreinerei Zeit baute die von Andreas Riker wunderbar entworfenen organischen Möbel. Werner Memmel und seine wml installierten unterstützt von Ottmar Spring, Lutron und AMX ein Licht- und Audiosystem samt intuitiver Touchscreensteuerung, welches Seinesgleichen sucht. Schließlich lieferte Steelcase nicht nur wunderbar passende Möbel, sondern auch die Steelcase mediascape, ein durchdachtes Möbelstück zur interaktiven Zusammenarbeit mit bis zu 6 Laptops. Intensive Kommunikation, Problemlösung vor Ort und ein hohes Maß an Flexibilität waren wichtige Voraussetzungen für das Erreichen eines wunderschönen Ergebnisses.

Während der Bauphase ging die Suche nach dem „Grundgesetz“ der künftigen Zusammenarbeit der Partner weiter. Es entstand in mehreren Workshops und Seminaren der „codex baucultur“.

Wie bei jedem Projekt gab es allerdings auch bei uns ein Sorgenkind, den organischen dreidimensionalen Raumteiler aus transluzenter Folie, von innen beleuchtet. Bezeichnender Weise der einzige Nichtpartner im Ausführungsteam enttäuschte auf ganzer Linie und scheiterte an der Ausführung.

Ein letztes Mal waren Vision und Flexibilität gefragt. Werner Memmel gab dann den Anstoß zu einem Lichtkunstwerk mit raumteilender Funktion. Er holte die Lichtkünstlerin Elke Harras an Bord, entwarf und realisierte gemeinsam mit ihr das wunderbare Lichtkunstwerk „wellenlaengen“.

Nach Meinung aller Beteiligten der gelungene Schlussakkord einer symphonischen Raumgestaltung. Viele begeisterte Reaktionen von Partnern, Mietern und Kunden geben uns das gute Gefühl, mit dem „forum baucultur im skygarden“ den richtigen Weg beschritten zu haben.

Innenarchitektur: Andreas Riker
Lichtplanung: Werner Memmel
Projektleitung: Dr. Christoph Maier
Innenausbau: R&M Ausbau München
Licht & Medien: wml
Böden: Böhmler im Tal
Elektro: Elektrotechnik Ottmar Spring
Lüftung: Lufttechnik Rudolph
Möbel: steelcase
Bar & Empfang: Schreinerei Zeit